Review stilwerk Trendtalk
Drei stilwerk Trendtalks gaben Einblick in die Sicht der jungen Avantgarde, vertreten durch die Designer Arik Levy, Harald Gründl und Jaime Hayon. Als Vertreter der aktuellen Designtrends, wie sie in der 3. stilwerk Trendstudie beschrieben sind, trafen sich die Designer zum Gespräch mit Birgit Gebhardt, interviewt von Petra Schwab und Tyler Brulé. Das Publikum hatte das Vergnügen, auf den stilwerk Trendtalks in Düsseldorf, Hamburg und Berlin drei vollkommen unterschiedliche Designer und ihre Sicht auf die aktuellen Strömungen kennenzulernen. Falls Sie nicht dabei sein konnten, hier unser Resümee zum Trendtalk Berlin:
Jaime Hayon und Tyler Brulé –
Weniger Hysterie und mehr Wunderland
Das wünscht sich der Stardesigner Jaime Hayon auf dem Berliner Trendtalk im Interview mit Tyler Brulé und Birgit Gebhardt. Dem Enfant terrible der spanischen Designszene schienen die Herzen schon zuzufliegen, sobald er den Raum betrat. Design war bei ihm ein Zufall, meint er, eine Art Versehen. Er habe nie beabsichtigt, Design zu machen, und sieht sich vielmehr als Künstler. Blut und Tränen seien programmiert, wenn er mit großen Firmen zusammenarbeite. Absichtlich entwerfe er nie das, was seine Auftraggeber von ihm erwarten, und verblüfft dabei durch unvorhergesehene Kreativität. Auf die Spitze hat er seine comichaft überzeichneten Entwürfe offenbar noch nicht getrieben, denn das, was Trendbüro als „Hysteric Wonderland“ identifiziert, stuft er selbst als eher minimalistisch ein. Und obwohl er sich nicht wirklich dem ihm zugewiesenen Trend zuordnen lassen will, bewundert er die Leistung von Trendbüro, die aktuellen Strömungen von Design so recht präzise zu erfassen und zu clustern. Vor allem in Zeiten, in denen sich nahezu alles Design schimpft. Damit trifft der Jungdesigner ganz den Nerv des eigentlichen Stars des Abends, Tyler Brulé. Der Gründer von Wallpaper und Monocle, der bereits mit 33 Jahren von der British Society of Magazine Editors für sein Lebenswerk geehrt wurde, befeuert die Diskussion mit interessanten Erfahrungen seiner zahlreichen Reisen. Den „German Mittelstand“ hat er dabei zu schätzen gelernt, ebenso wie den deutschen Baumkuchen, der sich in Japan als großer Renner entpuppt. Die Trends lässt er lieber von Birgit Gebhardt erklären. Er berichtet von seinen Reisen, was für ihn selbst interessant erscheint. Zum Beispiel, dass er Schwierigkeiten hat, nach Syrien einzureisen, weil man dazu noch zwei stempelfreie Seiten im Pass benötige, er aber in den letzten drei Jahren allein 30-mal in Japan gewesen sei. Von Blogs und Social Media hält der ehemalige Kriegsreporter wenig und macht auch keinen Hehl daraus, dass für ihn der fundierte Autorenjournalismus nur vom erfahrenen Betrachter im klassisch journalistischen Kontext – meint Print – kommen kann. Uns gibt er zum Abschluss der Diskussion den Rat, dem Internet so oft fernzubleiben wie nur möglich. Berichte müssen aus dem Leben stammen, meint er. Birgit Gebhardt widerspricht: Nicht das Medium bürge für Qualität, sondern der Autor – im Print wie im Netz. Und dass Analysen im Netz durchaus für Designer wie Journalisten interessant sein könnten, um zu erfahren, was die Gesellschaft interessiert. Für Brulé und Hayon liegt die Herausforderung im Angebot: „Der heilige Krieg der Zukunft entbrennt zwischen luxuriösem Service und billigen Sonderangeboten“, schließt Brulé den Talk im Berliner stilwerk.
von Eva Bargon, Trendbüro
http://www.trendbuero.de













