Review stilwerk Trendtalk
Drei stilwerk Trendtalks gaben Einblick in die Sicht der jungen Avantgarde, vertreten durch die Designer Arik Levy, Harald Gründl und Jaime Hayon. Als Vertreter der aktuellen Designtrends, wie sie in der 3. stilwerk Trendstudie beschrieben sind, trafen sich die Designer zum Gespräch mit Birgit Gebhardt, interviewt von Petra Schwab und Tyler Brulé.
Das Publikum hatte das Vergnügen, auf den stilwerk Trendtalks in Düsseldorf, Hamburg und Berlin drei vollkommen unterschiedliche Designer und ihre Sicht auf die aktuellen Strömungen kennenzulernen. Falls Sie nicht dabei sein konnten, hier unser Resümee zum Trendtalk Hamburg:
Eoos – Prototypen aus poetischer Analyse
Harald Gründl vom Wiener Designbüro Eoos windet sich anfangs noch mit sichtlichem Unbehagen, als Protagonist für den Trend „Archaic Nature“ zu gelten – in den ihn Trendbüro mit seinen reduzierten authentischen Interpretationen eingeordnet hat. Vielmehr betont er seine poetische Analyse im Entwurfsprozess. In aufwendigen Recherchen erforscht Harald Gründl zusammen mit seinen zwei Partnern, die er bereits seit dem Studium kennt, Rituale, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind, aber in der heutigen Zeit mit ihren technischen Möglichkeiten nach einer neuen Übersetzung verlangen. So entstand beispielsweise die Küchenwerkstatt „b2“, die Trendbüro bereits in der dritten Trendstudie für stilwerk vorgestellt hat. Die mobile Küchenwerkstatt eröffnet sich dem Besitzer in der Form eines modernen Triptychons, dessen Inneres nur das offenbart, was zum Kochen wirklich gebraucht wird. Wer sich für dieses Produkt entscheidet, lässt sich darauf ein, seine Gewohnheiten zu überdenken und sich neu zu organisieren. Aus Sicht der Trendforscherin Birgit Gebhardt leistet Gründl damit einen Beitrag zur Wiedererlernung der Langsamkeit und Zelebrierung von Werten, die Gefahr laufen, verloren zu gehen. So haben wir nachweislich weniger Zeit für Mahlzeiten daheim und zelebrieren daher die wenigen Male des gemeinsamen Speisens. Insofern sei auch das Motiv des Werkzeugkastens bei der „b2“ wie auch ihr sakrales Symbol eines dreiflügeligen Altarbildes genau die Überhöhung, die unsere Wertschätzung deutlich mache. Gebhardt betont, dass es ebendiese Poesie ist, nach welcher Menschen sich sehnen, wenn Designprodukte zunehmend gefällig und einheitlich werden. Um Produkte auf den Markt zu bringen, die sich so radikal und zugleich erholsam auf das alltägliche Leben ihrer Besitzer auswirken, braucht es Hersteller wie bulthaup, die den Mut haben, entschlossen neue Wege zu gehen, meint Harald Gründl. Das ist auch der Grund, weshalb Eoos mit so wenigen Herstellern zusammenarbeitet, fügt er schmunzelnd hinzu. Den Trend „Archaic Nature“ übersetzt der Österreicher mit dem trockenen Humor für sich dann doch lieber mit „Prototyp Design“, was für ihn „losgelöst vom Beiwerk“ bedeutet. Eoos bringt damit auf den Punkt, wonach viele sich in einer Zeit des exponentiellen Wachstums von unkontrollierbaren Einflüssen, Informationen und Zugangskanälen sehnen, nämlich der Reduktion auf das Wesentliche mit emotionalem Wert.

von Eva Bargon, Trendbüro
http://www.trendbuero.de













